Jahresgespräche und Beurteilungen
Ein Jahresgespräch ist eine Gelegenheit, auf ein ganzes Jahr zu schauen, in nur einer Stunde. Ein wenig Anspannung gehört dazu, egal ob du beurteilt wirst oder die Beurteilung schreibst.
Das meiste, was solche Gespräche gut macht, passiert vorher: zu wissen, welche Beispiele du mitbringst, und was die andere Person am Ende mitnehmen soll.

In welcher Situation bist du?
Du wirst beurteilt
Hier geht es um dein eigenes Jahr: vor dem Gespräch, währenddessen und danach.
Mein Jahresgespräch steht bevor und ich will mich vorbereiten
Was willst du am Ende der Stunde gesagt und gehört haben?
Ich will aus dem Gespräch gehen und wissen, wie meine Führungskraft das letzte Jahr sieht, und klar gesagt haben, woran ich als Nächstes arbeiten will...
BeispielIch muss meine Selbsteinschätzung schreiben
Was hat dich dieses Jahr gelehrt, das keine Aufgabenliste zeigen würde?
Als die Verzögerung absehbar war, habe ich versucht, die Zeit selbst aufzuholen, statt sie früh anzusprechen...
BeispielMeine Beurteilung passt nicht zu meinem Blick auf das Jahr
Kränkung ist eine verständliche erste Reaktion. Hilfreich ist die zweite: die eine Einschätzung zu finden, die du wirklich anders siehst, und die Beispiele, die das zeigen.
Die Bewertung reduziert mein Jahr auf einen Moment, und ich weiß nicht, was ich anders machen soll.
BeispielIch will eine Beförderung oder Gehaltserhöhung begründen
Nach mehr zu fragen kann sich ungewohnt anfühlen. Mit Belegen wird daraus ein Gespräch über deine Arbeit.
Seit einem Jahr verantworte ich das Thema Zahlungsabwicklung, das zur Rollenbeschreibung der nächsten Stufe gehört...
Beispiel
Du schreibst oder führst Beurteilungen
Für alle, die die Arbeit anderer einschätzen, mit oder ohne Führungsrolle.
Ich muss eine Beurteilung schreiben und will fair sein
Was war eigentlich im März? Eine faire Beurteilung reicht weiter zurück als die letzten Wochen.
Bei zwei von drei Übergaben fehlte die Dokumentation, offene Punkte kamen erst auf Nachfrage...
BeispielIch will mehr sagen als „gute Arbeit“
Konkretes Lob zeigt der Person, was sie genau so weitermachen kann.
Sie hat die Migration in Wochenschritte aufgeteilt, Risiken früh angesprochen und jeden Schritt für das Team dokumentiert...
Beispiel
Du schaust aufs nächste Jahr
Jahresgespräche schauen auch nach vorn: auf Ziele und darauf, was du lernen willst.
Die Ziele fürs nächste Jahr wirken unrealistisch
Jetzt, solange die Ziele noch ein Entwurf sind, lässt sich das am leichtesten ansprechen.
Dieses Jahr hat dasselbe Team 14 Releases geschafft, etwa ein Drittel unserer Zeit ging in den Support...
BeispielIch weiß nicht, woran ich nächstes Jahr arbeiten soll
Von einem vagen Wunsch zu einem ersten konkreten Schritt.
Bisher war ich bei Reviews dabei, habe aber nie eines geleitet, und ich halte mich zurück, wenn erfahrene Kolleg:innen widersprechen...
Beispiel
Etwas anderes rund ums Jahresgespräch?
Finde mit ein paar Fragen eine passende Methode.
Wenn es um mehr geht als eine unterschiedliche Sicht auf das Jahr und du dich unfair behandelt fühlst, kannst du dir Unterstützung holen, zum Beispiel bei HR oder beim Betriebsrat.
Was Jahresgespräche leichter macht
Das ganze Jahr im Blick behalten.
Was kürzlich war, ist leichter präsent als der Jahresanfang. Notizen über das ganze Jahr ergeben ein faireres Bild, von anderen und von dir selbst.
Wichtiges früh ansprechen.
Feedback wirkt am besten, solange es noch frisch ist. Was dir wichtig ist, gehört deshalb schon vor das Jahresgespräch.
Das Gespräch größer halten als die Bewertung.
Eine Zahl oder Stufe zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Überlege vorher, was die andere Person vor allem mitnehmen soll.
Erst mitschreiben, dann reagieren.
In einer Stunde voller Rückmeldungen bleibt nicht alles gleich gut hängen. Notiere, was gesagt wurde, Lob genauso wie Kritik, und nimm dir Zeit, bevor du reagierst.

„Keine Überraschungen.“
Ein gutes Jahresgespräch fasst das Jahr für beide Seiten zusammen und gibt Klarheit fürs nächste. Überraschen sollte es niemanden.
Was ich heute anders machen würde
Ich hätte viel früher damit anfangen sollen, meine Ziele und Ergebnisse regelmäßig aufzuschreiben, etwa einmal im Monat. Das hilft mit und ohne Führungsrolle: Man geht besser vorbereitet ins Gespräch, holt mehr für sich heraus und kann der eigenen Führungskraft mehr zeigen, als sie erwartet. Und der Plan fürs nächste Jahr baut auf etwas Greifbarem auf.
Mehr zum Hintergrund
Die Methoden hinter diesen Reflexionen
- GROW-ModellGespräch vorbereiten · Woran ich arbeiten will
- Was? Was bedeutet das? Was nun?Selbsteinschätzung schreiben
- SBI-Feedbackmodell: Situation, Verhalten, WirkungBeurteilung passt nicht · Fair beurteilen · Mehr als „gute Arbeit“
- Stakeholder-Alignment vorbereitenBeförderung begründen
- BOUND: Erwartungen klärenUnrealistische Ziele
