Was? So what? Now what? Aus Erfahrungen lernen
Drei Fragen helfen dir, eine Erfahrung zu verstehen und beim nächsten Mal bewusst zu handeln.
- Ereignis von Deutung trennen
- Eine Erkenntnis gewinnen
- Nächstes Verhalten festlegen
In 3 Schritten aus Erfahrung lernen
Die Methode macht aus einer Erfahrung einen nächsten Schritt: erst beschreiben, dann deuten, schließlich handeln. Reflacto behält diese drei Stufen bei.
Was?
Halte fest, was geschah, wie es endete und wie du reagiert hast. Trenne Beobachtung, Gedanken und Gefühle.
Was bedeutet das?
Prüfe Annahmen, Folgen, Muster und andere Perspektiven. Formuliere eine konkrete Erkenntnis.
Was nun?
Lege ein konkretes Verhalten oder kleines Experiment für eine ähnliche Situation fest.
Wann diese Methode hilft
Nutze die Methode nach einem Ereignis, das dich überrascht oder beschäftigt – besonders, wenn du beim nächsten Mal anders handeln willst.
Wichtigste Vorteile
- Trennt Ereignis und Deutung
- Prüft Annahmen und zeigt andere Perspektiven
- Macht aus einer Erkenntnis ein prüfbares Experiment
Grenzen und Warnsignale
Die einfache Struktur kann zu oberflächlicher Reflexion führen. Nutze in „Was bedeutet das?“ konkrete Belege und andere Perspektiven. Bei Schaden, Sicherheitsrisiken, Diskriminierung oder ernsten Konflikten ersetzt Selbstreflexion weder Feedback und Untersuchung noch qualifizierte Unterstützung.
Was? Was bedeutet das? Was nun?: Beispiele
Die drei Fragen passen zu jeder Erfahrung. Es ändert sich der Anlass: ein Meeting, das schiefging, ein Erfolg, den du wiederholen willst, oder deine eigene Reaktion auf Kritik. Jedes Beispiel zeigt die drei Stufen einzeln und dann die ganze Reflexion in drei Sätzen.
Ein Meeting, das schiefging
Verstehen, warum Risiken zu spät kamen, und das nächste Meeting anders leiten.
Illustratives Szenario
- Was?
- Im Planning am Montag stellte ich den Zeitplan vor, bevor ich nach Einschränkungen fragte. Zwei Risiken wurden erst nach der Einigung sichtbar. Unter Zeitdruck deutete ich Schweigen als Zustimmung.
- Was bedeutet das?
- Meine Eile verengte die Diskussion. Schweigen war nicht automatisch Zustimmung. Meine Erkenntnis: Erst Einschränkungen klären, dann planen.
- Was nun?
- Am Donnerstag frage ich vor meinem Zeitplan jeden Bereich nach einer wichtigen Einschränkung. Danach prüfen alle den Vorschlag zwei Minuten lang für sich.
Im Planning am Montag habe ich zuerst den Zeitplan vorgestellt, und zwei Risiken kamen erst nach der Einigung auf den Plan zur Sprache. Ich habe gelernt, dass Schweigen unter Zeitdruck keine Zustimmung ist und Einschränkungen vor den Plan gehören. Am Donnerstag frage ich jeden Bereich nach einer Einschränkung, bevor ich einen Zeitplan vorschlage.
Ein Erfolg, den du wiederholen willst
Herausfinden, was funktioniert hat, damit es kein Glück bleibt.
Illustratives Szenario
- Was?
- Das März-Release ging am geplanten Tag live, als erstes pünktliches von vier Releases. Die drei davor verschoben sich um zwei, drei und fünf Tage. Zwei Wochen vor dem Termin hatte ich alle gebeten, schriftlich aufzulisten, was das Release noch blockieren könnte. Fünf Punkte kamen zusammen: Vier haben wir gelöst, einen ins nächste Release verschoben. Ich war erleichtert, aber unsicher, ob wir nur Glück hatten.
- Was bedeutet das?
- Mehr Einsatz erklärt es nicht; das Team hat normal gearbeitet. Die schriftliche Liste machte Blocker sichtbar, solange noch Zeit zum Handeln war, und zwei der fünf Punkte kamen von Leuten, die sich im Stand-up selten äußern. Meine Erkenntnis: Wenn ich früh und schriftlich frage, kommt mehr zusammen als im Meeting.
- Was nun?
- Für das Juni-Release schicke ich dieselbe Bitte 14 Tage vor dem Termin. Danach vergleiche ich, wie viele Punkte kamen und von wem, um zu sehen, ob der Effekt bleibt.
Das März-Release ging als erstes von vier pünktlich live, nachdem ich zwei Wochen vorher schriftlich nach Blockern gefragt hatte. Die Liste machte Probleme sichtbar, solange noch Zeit war, darunter zwei von Leuten, die sich im Stand-up selten äußern. Für das Juni-Release frage ich 14 Tage vorher auf dieselbe Weise und zähle, wie viele Punkte kommen und von wem.
Deine Reaktion auf Kritik
Anschauen, wie du reagiert hast, und beim nächsten Mal anders einsteigen.
Illustratives Szenario
- Was?
- Im Einzelgespräch am Mittwoch sagte Jonas, meine Code-Reviews fühlten sich für ihn wie Kontrolle an, nicht wie Hilfe. Ich fühlte mich angegriffen und erklärte etwa zehn Minuten lang, warum Reviews wichtig sind. Danach sagte er kaum noch etwas und beendete das Gespräch früher.
- Was bedeutet das?
- Ich habe meine Absicht verteidigt, statt nach seiner Erfahrung zu fragen. Aus seiner Sicht sieht es anders aus: Drei seiner letzten vier Pull Requests warteten mehr als zwei Tage auf mein Review. Meine Erkenntnis: Bei Kritik will ich zuerst erklären, und das hält die andere Person davon ab, mehr zu erzählen.
- Was nun?
- Im nächsten Einzelgespräch am Mittwoch spreche ich das Thema wieder an, bitte um ein konkretes Beispiel und fasse es zusammen, bevor ich etwas erkläre. Ein Zeichen, dass es wirkt: Jonas nennt mir mehr als ein Beispiel.
Als Jonas sagte, meine Code-Reviews fühlten sich wie Kontrolle an, habe ich zehn Minuten erklärt, statt nachzufragen. Drei seiner letzten vier Pull Requests warteten mehr als zwei Tage auf mein Review; seine Sicht hat also eine Grundlage, die ich mir nicht angesehen hatte. Im nächsten Einzelgespräch bitte ich um ein konkretes Beispiel und fasse es zusammen, bevor ich irgendetwas erkläre.
Jedes Beispiel trennt, was passiert ist, von dem, was es bedeutet. Andere Deutungen und nächste Schritte können ebenso sinnvoll sein.
Allgemein oder konkret?
Ein allgemeines Urteil fühlt sich wie eine Erkenntnis an, lässt dir aber nichts zum Ausprobieren. Ein konkreter Satz sagt, was geschah, was es bedeutet und was du als Nächstes tust.
Allgemein„Das Meeting lief schlecht, weil sich niemand für die Risiken interessiert hat.“
Konkret„Zwei Risiken kamen erst auf, nachdem wir uns auf den Plan geeinigt hatten. Vorher hatte sie niemand angesprochen.“
Allgemein„Ich kann einfach keine Meetings leiten.“
Konkret„Wenn ich zuerst einen Plan zeige, reagieren die anderen darauf, statt ihr Wissen einzubringen.“
Allgemein„Nächstes Mal besser kommunizieren.“
Konkret„Am Donnerstag frage ich jeden Bereich nach einer Einschränkung, bevor ich einen Zeitplan vorschlage.“
Die konkrete Version kannst du prüfen, sobald eine ähnliche Situation kommt. Ein Urteil über dich oder andere gibt dir nichts zum Prüfen oder Ausprobieren, und die nächste Reflexion bleibt genauso vage.
Vorlage: Reflektiere deine eigene Erfahrung
Kopiere die Vorlage und ersetze jede Klammer durch deine eigene Erfahrung.
Was passiert ist: [Ereignis, Ergebnis und wie ich reagiert habe]. Was es bedeutet: [die Annahme oder das Muster, das ich jetzt sehe, und eine Erkenntnis]. Was ich tue: [ein Verhalten] in [Situation oder Termin]. Es hat geholfen, wenn [beobachtbares Zeichen].
Prüfe, bevor du loslegst
- Was?: Könnte jemand, der dabei war, es bestätigen? Motive und Urteile gehören in den nächsten Schritt.
- Was bedeutet das?: Hast du mindestens eine andere Erklärung geprüft, und passt die Erkenntnis in einen Satz?
- Was nun?: Könnte jemand anderes sehen, ob du es getan hast, und weißt du, wann du es ausprobierst?
Diese Fragen stellt Reflacto
Das Originalmodell stellt drei Fragen: was passiert ist, was es bedeutet und was nun folgt. Reflacto stellt jede davon und ergänzt zwei: eine nach deinen Gedanken, Gefühlen und deiner Reaktion, nachdem du das Ereignis beschrieben hast, und eine nach der wichtigsten Erkenntnis, bevor du den nächsten Schritt wählst.
Aus Erfahrung lernen
Eine Erfahrung verstehen und festlegen, was du beim nächsten Mal anders machst.
- 1Was? Was ist passiert? Beschreibe die Situation und ihr Ergebnis so konkret wie möglich.Originalfrage
- 2Was hast du gedacht und gefühlt, und wie hast du reagiert?Reflacto-Ergänzung
- 3Was bedeutet das? Warum ist diese Erfahrung bedeutsam, und wie erklärst du sie dir heute?Originalfrage
- 4Was ist deine wichtigste Erkenntnis aus dieser Erfahrung?Reflacto-Ergänzung
- 5Was nun? Was wirst du in einer ähnlichen Situation anders machen?Originalfrage
Nach der letzten Frage zeigt dir Reflacto einen Lernplan mit konkreten nächsten Schritten.
Fragen zur Anwendung von „Was? Was bedeutet das? Was nun?“
Beschreiben, was passiert ist
Was gehört in die Phase „Was?“?
Kontext, Ereignisse, Beteiligte, deine Rolle und das Ergebnis. Auch deine Gedanken und Gefühle gehören dazu, als deine Reaktion, nicht als Fakten über fremde Absichten.
„Zwei Risiken kamen erst auf, nachdem wir uns auf den Plan geeinigt hatten.“
Das „Warum“ kommt erst in der nächsten Phase. „Niemand hat sich für die Risiken interessiert“ ist schon eine Deutung. Allgemeine und konkrete Sätze im Vergleich
Wie bald nach dem Ereignis sollte ich reflektieren?
Schreib innerhalb von ein, zwei Tagen auf, was passiert ist, solange die Details frisch sind. Die Deutung kann warten, bis du ruhiger bist.
„Heute Abend notiere ich, was passiert ist. Was es bedeutet, überlege ich am Freitag.“
Details verblassen schnell, und die Erinnerung füllt die Lücken mit deiner Deutung. Bist du noch aufgewühlt, hör nach dem „Was?“ auf.
Die Erfahrung deuten
Wie verhindere ich, dass „Was bedeutet das?“ zum Grübeln wird?
Prüfe Annahmen, andere Perspektiven, Folgen und Muster, statt das Ereignis zu wiederholen. Hör auf, wenn keine neue Erkenntnis entsteht.
„Wie würde Jonas dieses Einzelgespräch beschreiben?“
Landest du immer wieder bei der Schuldfrage, deiner oder der von anderen, frag dich, was du beim nächsten Mal anders machen könntest. Beispiel: Deine Reaktion auf Kritik
Reflektiere ich nur, wenn etwas schiefging?
Nein. Wenn etwas funktioniert, zeigt dir die Methode, was du wiederholen solltest.
„Was haben wir diesmal anders gemacht, dass das Release am geplanten Tag live ging?“
Einen Erfolg schiebt man leicht auf Glück oder Einsatz. Such nach dem konkreten Schritt, den du wiederholen kannst. Beispiel: Ein Erfolg, den du wiederholen willst
Den nächsten Schritt wählen
Was macht ein hilfreiches „Was nun?“ aus?
Benenne das Verhalten, wo du es ausprobierst und was andere beobachten könnten.
„Am Donnerstag frage ich jeden Bereich nach einer Einschränkung, bevor ich einen Zeitplan vorschlage.“
„Besser kommunizieren“ lässt sich nicht prüfen. Ein kleines Experiment für nächste Woche bringt mehr als ein großer Vorsatz. Beispiel: Ein Meeting, das schiefging
Woran erkenne ich, ob die Veränderung wirkt?
Leg vorher fest, woran du sehen würdest, dass es hilft. Prüf danach, ob du es gesehen hast.
„Kommen die Einschränkungen vor dem Plan, sollte nach der Einigung niemand ein neues Risiko nennen.“
Geh die drei Fragen dann für die neue Erfahrung noch einmal durch. Diese zweite, kürzere Reflexion zeigt, ob die Erkenntnis trägt. Vorlage mit Prüffragen
Zur Methode
Wie unterscheidet sich die Methode von GROW?
GROW beginnt mit einem Ziel und sucht einen Weg. Diese Methode beginnt mit einer Erfahrung und fragt, was du daraus lernen kannst.
Nutze sie, wenn du zuerst verstehen willst. Weißt du schon, was du willst, und suchst nur den Weg dorthin, passt GROW besser.
Wann reicht die Methode nicht aus?
Wenn es um Schaden, Sicherheit, Diskriminierung oder einen ernsten Konflikt geht. Selbstreflexion ersetzt dann weder Feedback noch eine Untersuchung oder qualifizierte Unterstützung.
Die einfache Struktur kann außerdem oberflächlich bleiben. Zieh Belege und mindestens eine andere Sicht hinzu. Grenzen der Methode
Herkunft und Reflactos Anpassung
Terry Borton stellte die drei Fragen 1970 in Reach, Touch, and Teach vor. John Driscoll entwickelte daraus später ein Modell für reflektierte Praxis; weitere Anpassungen folgten.
Auch bekannt als: What? So What? Now What?, Borton-Reflexionsmodell, Driscoll-Reflexionsmodell, Drei-W-Modell
Was Reflacto verändert hat
- Aus dem Originalmodell
- Bortons drei Fragen, jede für sich gestellt: was passiert ist, was es bedeutet und was du als Nächstes tust.
- Reflacto-Ergänzung
- Reflacto ergänzt zwei Fragen, eine nach deinen Gedanken, Gefühlen und deiner Reaktion und eine nach der wichtigsten Erkenntnis, und schließt mit einem Lernplan.
Alle Fragen ansehen, die Reflacto stellt
Primärquellen und weiterführende Hinweise
- Borton: Reach, Touch, and TeachenBibliografischer Nachweis zu Terry Bortons Buch von 1970, aus dem die drei Fragen stammen.
- University of Edinburgh: What? So What? Now What?enDie Universität erklärt die drei Phasen, Driscolls Anpassung und das Risiko oberflächlicher Reflexion.
Redaktionell geprüft von Daniel Schmeiß
Letzte inhaltliche Prüfung: 29. September 2026
Verwandte Reflexionsmethoden
Vergleiche eine weitere Methode, die eine ähnliche Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
- GROW-ModellDu steckst bei einem komplexen Problem fest oder hilfst einer anderen Person weiter. GROW führt dich vom Ziel über die aktuelle Realität und die Optionen zu einem nächsten Schritt, auf den du dich festlegst. Es eignet sich für das eigene Nachdenken ebenso wie als Coaching-Struktur für andere.Methode öffnen
- Feedforward: Den nächsten Versuch planenEin Entwicklungsgespräch droht in Rechtfertigungen über Vergangenes zu kippen. Feedforward richtet den Blick nach vorn: Du nennst ein Ziel und bittest um konkrete Vorschläge für die nächsten Schritte. Das hält das Gespräch konstruktiv und macht es leichter annehmbar.Methode öffnen


