Feedforward-Coaching
Feedback unter Kolleg:innen wird schnell zu einer Schulddebatte über vergangene Fehler. Feedforward dreht die Perspektive um: Statt „Das hast du falsch gemacht“ lautet die Frage „Was würde beim nächsten Mal besser funktionieren?“
- Zukunftsorientiertes Feedback
- Weniger Abwehrreaktionen
- Bessere Zusammenarbeit
Was ist die Feedforward-Methode?
Die Feedforward-Methode richtet ein Entwicklungsgespräch auf die Zukunft. Statt vergangenes Verhalten zu bewerten, beschreibst du, was beim nächsten Mal helfen könnte. Reflacto ergänzt den Vorschlagsaustausch um vorhandene Stärken und ein beobachtbares Erfolgskriterium.
Zielbild
Kläre, was in einer nächsten konkreten Situation anders laufen soll und woran du das gewünschte Ergebnis erkennst.
Vorschläge
Sammle konkrete, beobachtbare Verhaltensweisen für die Zukunft. Formuliere sie als Optionen, nicht als Urteil über Vergangenes.
Nächster Versuch
Wähle eine passende Option, verknüpfe sie mit einer vorhandenen Stärke und lege fest, wann und woran du den Fortschritt prüfst.
Feedforward an einem konkreten Beispiel
Ein illustratives Beispiel für ein bevorstehendes Sprint Planning:
Zielbild
Im nächsten Sprint Planning soll Sarah ihr Risiko vollständig erklären können, bevor das Team über Lösungen spricht.
Vorschlag
Warte, bis sie ihren Punkt beendet hat, stelle dann eine Verständnisfrage und fasse das Risiko anschließend in einem Satz zusammen.
Nächster Versuch
Nutze dabei deine Stärke, technische Themen schnell zu strukturieren. Probiere es am Dienstag aus; als sichtbares Signal bestätigt das Team die Risikoliste vor der Schätzung gemeinsam.
Das ist ein illustratives Beispiel, keine fertige Gesprächsvorlage. Die Formulierung richtet den Blick auf den nächsten Versuch und macht das Ergebnis beobachtbar; eine notwendige Klärung von Schaden oder Verantwortung ersetzt sie nicht.
Wann diese Methode hilft
Nutze Feedforward, wenn du Feedback zwischen Kolleg:innen moderierst, besonders bei Spannungen oder wenn frühere Feedbackgespräche schlecht verlaufen sind.
Grenzen und Warnsignale
Feedforward sollte nicht dazu dienen, entstandenen Schaden, Verantwortung oder wiederkehrende Muster auszublenden. Vergangene Fakten bleiben wichtig, wenn sie das Problem bestimmen.
Wo Reflacto diese Methode einsetzt
Wähle die Situation, die du reflektieren möchtest:
Wichtigste Vorteile
- Du arbeitest nicht alte Fehler erneut auf und reduzierst dadurch Abwehrreaktionen
- Aus vagen Forderungen werden konkrete Handlungen für die Zukunft
- Das Gespräch kann Beziehungen verbessern, statt neuen Groll zu erzeugen
- Der Fokus auf Entwicklung macht Veränderung leichter annehmbar
Diese Fragen stellt Reflacto
Reflacto übersetzt die Methode in diese konkreten Reflexionsfragen:
- 1Was ist die spezifische Peer-Feedback-Situation, die du moderieren musst?
- 2Welches aktuelle Verhalten oder Muster muss angesprochen werden?
- 3Wie würde Erfolg in der Zukunft aussehen?
- 4Welche spezifischen, umsetzbaren Vorschläge können ihnen helfen, dorthin zu gelangen?
- 5Auf welchen bestehenden Stärken können sie aufbauen?
- 6Wie wird der Fortschritt gemessen und verfolgt?
Häufige Fragen zu Feedforward
Was ist der Unterschied zwischen Feedback und Feedforward?
- Feedback bewertet Vergangenes, Feedforward beschreibt zukünftiges Verhalten. Weil es keine Aussage über einen bereits gemachten Fehler enthält, entfällt der Rechtfertigungsimpuls fast vollständig. Der Preis: Feedforward benennt nie explizit, was nicht funktioniert hat. Wer das braucht, kommt mit Feedforward allein nicht aus.
Wann ist Feedforward die falsche Wahl?
- Immer dann, wenn es Konsequenzen gibt oder etwas dokumentiert werden muss. Bei Leistungsproblemen, wiederholten Absprachebrüchen oder allem, was arbeitsrechtlich relevant werden kann, brauchst du eine klare Benennung des Ist-Zustands. Feedforward ist ein Entwicklungsinstrument für Leute, die grundsätzlich liefern — kein Klärungsinstrument.
Wie formuliere ich Feedforward konkret?
- Zwei Sätze: das gewünschte zukünftige Verhalten und der beobachtbare Effekt. Nicht „du unterbrichst zu oft", sondern „wenn du im nächsten Planning die Schätzung erst zu Ende hörst und danach nachfragst, kommen die Risiken früher auf den Tisch". Der Unterschied ist nicht Höflichkeit, sondern Umsetzbarkeit — der zweite Satz sagt, was zu tun ist.
Kann ich Feedforward auch nach oben geben?
- Ja, das ist einer der wirksamsten Einsatzorte. Weil keine Kritik an vergangenem Verhalten enthalten ist, entschärft sich die Statusfrage, die Feedback an Vorgesetzte sonst schwierig macht. Formuliere als Wunsch für die Zusammenarbeit, nicht als Bewertung der Führung: „Es würde mir helfen, wenn …".
Herkunft und Reflactos Anpassung
Feedforward wurde von Marshall Goldsmith 2002 in einem Artikel im Magazin Leader to Leader vorgestellt und später zu einem gleichnamigen Buch erweitert.
Auch bekannt als: Feedforward, Feed-Forward-Coaching
Was Reflacto verändert hat
Goldsmiths ursprüngliche Übung ist ein kurzer, zukunftsorientierter Vorschlagsaustausch. Reflacto erweitert sie auf sechs Fragen, die zusätzlich nach vorhandenen Stärken und einer Erfolgsmessung fragen – Ergänzungen, die die Originalübung nicht enthält.
Primärquellen und weiterführende Hinweise
- Marshall Goldsmith: Feedforward statt FeedbackenDer Originalartikel zur zukunftsorientierten Feedforward-Praxis, veröffentlicht von ihrem Urheber.
- Kluger und Nir: das Feedforward-InterviewenPeer-reviewte Forschung zu einem verwandten, aber eigenständigen zukunftsorientierten Interviewverfahren, nicht zur obigen Coaching-Übung.
- Haufe: Feedforward statt FeedbackEin deutscher Fachverlag für Personalthemen erklärt das zukunftsorientierte Prinzip auf Deutsch.
Redaktionell geprüft von Daniel Schmeiß
Letzte inhaltliche Prüfung: 23. August 2026
Verwandte Reflexionsmethoden
Vergleiche eine weitere Methode, die eine ähnliche Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

