SBI-Methode: Feedback geben, das ankommt
Das SBI-Feedbackmodell strukturiert Feedback anhand von drei Elementen: der Situation, dem beobachtbaren Verhalten und seiner Wirkung.
So beschreibst du, was tatsächlich passiert ist, ohne Interpretation als Tatsache darzustellen. Das Ergebnis ist konkretes, umsetzbares Feedback, das sich auf Verhalten statt auf die Persönlichkeit konzentriert.
- Beobachtung statt Bewertung
- Wirkung konkret benennen
- Nächsten Schritt klären
SBI in 3 Schritten
SBI ordnet Feedback in Situation, beobachtbares Verhalten und Wirkung. Das macht die Botschaft konkret, ohne Motive oder Persönlichkeit zu bewerten.
Situation
Nenne Zeitpunkt und Kontext.
Behavior (Verhalten)
Beschreibe, was du gesehen oder gehört hast – ohne Deutung.
Impact (Wirkung)
Benenne die konkrete Folge für Menschen oder Arbeit.
Optionaler vierter Schritt: Intent (SBII)
Das Center for Creative Leadership, das SBI entwickelt hat, hat einen vierten Schritt ergänzt: Intent (Absicht). Diese Variante heißt SBII. Nachdem du die Wirkung benannt hast, fragst du, was die andere Person erreichen wollte. Denn die Lücke zwischen dem, was jemand wollte, und dem, was das Verhalten bewirkt hat, ist oft das eigentliche Thema.
Intent (Absicht)
Frag, was die Person erreichen wollte, und hör zu, bevor du urteilst.
Nutze ihn bei Entwicklungsfeedback, wenn die Wirkung, die du gesehen hast, vielleicht nicht das ist, was die Person wollte. Ohne die Frage füllst du diese Lücke mit deiner eigenen Vermutung über ihre Motive.
In der Projektbesprechung am Dienstag hast du Sarah zweimal unterbrochen, bevor sie das Risiko erklären konnte. Das Risiko blieb unberücksichtigt; die Umsetzung verzögerte sich um zwei Tage. Was wolltest du erreichen, als du eingestiegen bist, bevor sie fertig war?
Stell sie als echte Frage. „Warum hast du das gemacht?“ klingt nach Vorwurf, „Was wolltest du erreichen?“ lädt zu einer Antwort ein. Wenn die Antwort deinen Blick auf die Situation verändert, sag das.
Wann diese Methode hilft
Nutze SBI, wenn du ein konkretes Verhalten bestärken oder verändern willst und seine Wirkung benennen kannst.
Wichtigste Vorteile
- Trennt Beobachtung von Bewertung
- Zeigt, warum das Verhalten wichtig ist
- Macht den gewünschten nächsten Schritt konkret
Grenzen und Warnsignale
SBI strukturiert die Botschaft, nicht das ganze Gespräch. Es klärt keine Absicht. Frage nach, statt Motive zu unterstellen.
SBI-Feedback: Beispiele
Die drei Teile funktionieren in jede Richtung. Es ändert sich das Ziel: ein Verhalten bestärken, eines verändern oder etwas bei der eigenen Führungskraft ansprechen. Jedes Beispiel zeigt die Teile einzeln und dann als eine Botschaft, mit der du ein Gespräch eröffnen kannst.
Positives Feedback
Ein hilfreiches Verhalten wiederholbar machen.
Illustratives Szenario
- Situation
- Im Teammeeting am Montag, als Lena nach dem Freigabeprozess gefragt hat,
- Behavior (Verhalten)
- hast du ihn ihr am echten Formular auf dem Bildschirm gezeigt und ihr danach die Checkliste geschickt.
- Impact (Wirkung)
- Am Mittwoch hat sie ihren ersten Antrag selbstständig eingereicht, und er ging ohne Korrekturen durch.
Im Teammeeting am Montag, als Lena nach dem Freigabeprozess gefragt hat, hast du ihn ihr am echten Formular auf dem Bildschirm gezeigt und ihr danach die Checkliste geschickt. Am Mittwoch hat sie ihren ersten Antrag selbstständig eingereicht, und er ging ohne Korrekturen durch. Genau so wünsche ich mir, dass wir neue Leute einarbeiten.
Entwicklungsfeedback
Ein Verhalten verändern, das im Weg stand.
Illustratives Szenario
- Situation
- In der Projektbesprechung am Dienstag
- Behavior (Verhalten)
- hast du Sarah zweimal unterbrochen, bevor sie das Risiko erklären konnte.
- Impact (Wirkung)
- Das Risiko blieb unberücksichtigt; die Umsetzung verzögerte sich um zwei Tage.
In der Projektbesprechung am Dienstag hast du Sarah zweimal unterbrochen, bevor sie das Risiko erklären konnte. Das Risiko blieb unberücksichtigt; die Umsetzung verzögerte sich um zwei Tage. Wie hast du die Besprechung erlebt?
Feedback an die Führungskraft
Eine Situation ansprechen, ohne die eigene Führungskraft zu bewerten.
Illustratives Szenario
- Situation
- Im Meeting mit den Abteilungsleitungen am Donnerstag
- Behavior (Verhalten)
- hast du als Projekttermin Ende März genannt. Am Tag davor hatten wir uns auf Mitte Mai geeinigt.
- Impact (Wirkung)
- Seitdem haben mich zwei Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen gebeten, Ende März zu bestätigen, und ich weiß nicht, welchen Termin ich ihnen nennen soll.
Hast du zehn Minuten für Feedback zum Meeting mit den Abteilungsleitungen am Donnerstag? Dort hast du als Projekttermin Ende März genannt. Am Tag davor hatten wir uns auf Mitte Mai geeinigt. Seitdem haben mich zwei Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen gebeten, Ende März zu bestätigen, und ich weiß nicht, welchen Termin ich ihnen nennen soll. Können wir klären, welchen Termin ich kommuniziere?
Konkret sind Situation, Verhalten und Folge. Charakter und Absicht bleiben außen vor.
Bewertung oder Beschreibung?
Eine Bewertung sagt, was du von der Person hältst. Eine Beschreibung sagt, was passiert ist. So kann die andere Person den Moment wiedererkennen und darauf eingehen.
Bewertung„Du warst respektlos gegenüber Sarah.“
Beschreibung„In der Projektbesprechung am Dienstag hast du zweimal angefangen zu sprechen, während Sarah noch das Risiko erklärt hat.“
Bewertung„Super gemacht mit Lena.“
Beschreibung„Du hast Lena den Freigabeprozess am echten Formular gezeigt und ihr die Checkliste geschickt.“
Bewertung„Du stärkst dem Team nie den Rücken.“
Beschreibung„Im Meeting mit den Abteilungsleitungen hast du Ende März genannt. Vereinbart hatten wir Mitte Mai.“
Die Beschreibung lässt sich mit dem abgleichen, woran ihr euch beide erinnert. Ein Etikett wie „respektlos“ ist ein Urteil über Charakter oder Absicht und lässt sich leicht zurückweisen.
Vorlage: Formuliere deine eigene SBI-Botschaft
Kopiere die Vorlage und ersetze jede Klammer durch deine eigene Situation.
In [konkrete Situation] hast du [beobachtbares Verhalten]. Das führte dazu, dass [Wirkung, die ich beobachtet oder selbst erlebt habe].
Prüfe, bevor du es sagst
- Situation: Könnte die andere Person den Moment in ihrem Kalender finden?
- Verhalten: Hätte eine Kamera es aufzeichnen können? Adjektive über die Person sind Bewertungen.
- Wirkung: Hast du sie selbst gesehen oder erlebt? Wenn du vermutest, frag lieber nach.
Diese Fragen stellt Reflacto
Das SBI-Modell selbst hat drei Teile: Situation, Verhalten und Wirkung. Reflacto fragt nach jedem Teil, formuliert passend zur Richtung deines Feedbacks, und ergänzt dann ein oder zwei Anschlussfragen, die nicht zum ursprünglichen Modell gehören. Deshalb unterscheidet sich die Zahl der Fragen je nach Variante.
Positives Feedback
Ein hilfreiches Verhalten anerkennen, damit es wiederholt wird.
- 1Welche spezifische Situation möchtest du hervorheben?SBI-Bestandteil
- 2Welches Verhalten hast du beobachtet?SBI-Bestandteil
- 3Welche positive Auswirkung hatte dieses Verhalten?SBI-Bestandteil
- 4Wie kannst du sicherstellen, dass dieses Verhalten gefördert wird?Reflacto-Ergänzung
Entwicklungsfeedback
Ein Verhalten ansprechen, das sich ändern soll.
- 1Welche spezifische Situation erfordert Feedback?SBI-Bestandteil
- 2Welches Verhalten war problematisch?SBI-Bestandteil
- 3Welche negativen Auswirkungen hatte das auf das Team oder die Ergebnisse?SBI-Bestandteil
- 4Wie kannst du das Feedback konstruktiv und lösungsorientiert formulieren?Reflacto-Ergänzung
- 5Wie wirst du die Person bei der Verbesserung unterstützen?Reflacto-Ergänzung
Feedback an die Führungskraft
Ein konkretes Verhalten der eigenen Führungskraft ansprechen.
- 1Welche konkrete Situation mit deiner Führungskraft willst du ansprechen?SBI-Bestandteil
- 2Was hat deine Führungskraft gesagt oder getan?SBI-Bestandteil
- 3Welche Wirkung hast du selbst beobachtet oder erlebt?SBI-Bestandteil
- 4Worum willst du deine Führungskraft bitten?Reflacto-Ergänzung
- 5Wann und wie sprichst du es an?Reflacto-Ergänzung
Nach der letzten Frage zeigt dir Reflacto einen Plan für das Gespräch mit konkreten nächsten Schritten.
Fragen zur Anwendung von SBI
Botschaft formulieren
Was ist der Unterschied zwischen Verhalten und Interpretation?
Verhalten ist, was jemand gesagt oder getan hat. Interpretation ist, was du daraus schließt, etwa „Du bist unzuverlässig“.
„Wir hatten vereinbart, dass du die Testergebnisse bis Donnerstagmittag schickst. Sie kamen am Montag.“
Schneller Test: Hätte eine Kamera es nicht aufzeichnen können, ist es eine Interpretation. Weitere Paare aus Bewertung und Beschreibung
Was, wenn ich mir bei der Wirkung unsicher bin?
Nenne nur Folgen, die du selbst gesehen oder erlebt hast. Aus allem anderen machst du eine Frage.
„Ich musste mein Review auf Montag verschieben. Hat die Verzögerung eure Planung mit der QA beeinflusst?“
Erfinde keine Folge, nur um das Modell zu vervollständigen. Eine falsche Behauptung macht die ganze Botschaft angreifbar. Prüffragen neben der Vorlage
Gespräch führen
Wann sollte ich das Feedback geben?
Bald, solange ihr beide euch noch erinnert, aber erst, wenn du ruhig bist und einen passenden Moment hast.
„Können wir morgen über das Meeting von heute früh sprechen?“
Lob kann sofort kommen. Bei Entwicklungsfeedback fragst du jetzt kurz an und sprichst später unter vier Augen. Sind Wochen vergangen, kannst du es trotzdem ansprechen. Sag dann, warum du es erst jetzt tust.
Was, wenn die Person meine Beobachtung bestreitet?
Frag, wie sie es erinnert, und hör zu, bevor du deine Version verteidigst.
„So habe ich das Meeting am Dienstag in Erinnerung. Wie hast du es erlebt?“
Prüfe, ob du beschrieben statt gedeutet hast, und ergänze Details: wann, was gesagt wurde, wer dabei war. SBI macht deine Sicht konkret, nicht wahr, und erzwingt keine Zustimmung. Seid ihr euch weiter uneinig, vereinbart, wie ihr mit ähnlichen Situationen umgeht.
Lob und Feedback nach oben
Funktioniert SBI auch für Lob?
Ja. Nenne, was geholfen hat und was es bewirkt hat. So weiß die Person, was sie wiederholen kann.
„Im Release-Review bist du den Rollback-Plan durchgegangen, bevor jemand gefragt hat. Die Produktverantwortliche hat das Release noch im Meeting freigegeben.“
Kann ich SBI gegenüber meiner Führungskraft nutzen?
Ja. SBI hilft dir, konkret und respektvoll zu bleiben, garantiert aber keine gute Reaktion.
„Hast du zehn Minuten für Feedback zum Meeting am Donnerstag?“
Nutze euer Einzelgespräch, sprich aus deiner Sicht und schließe mit einer Bitte. Fang mit einem kleinen Thema an. Die Reaktion zeigt dir, wie viel du später ansprechen kannst. Vollständiges Beispiel für Feedback an die Führungskraft
Über die drei Teile hinaus
Was unterscheidet SBII von SBI?
SBII ergänzt einen vierten Schritt, Intent (Absicht): Du fragst, was die Person erreichen wollte.
„Was wolltest du damit erreichen?“
Die meisten Menschen meinen es gut. Die Lücke zwischen Absicht und Wirkung ist oft das eigentliche Thema. Hör dir die Antwort an, bevor du Motive beurteilst. Der Schritt stammt vom Center for Creative Leadership, das SBI entwickelt hat. Herkunft und Quellen
Gehört zu SBI auch eine Bitte, was als Nächstes passieren soll?
Nein. SBI hat drei Teile. Eine Bitte oder Vereinbarung ist ein eigener Schritt danach.
„Wenn eine Deadline wackelt, kannst du mir bis Mittwoch Bescheid geben?“
Reflacto hilft dir, diesen Schritt vor dem Gespräch vorzubereiten. Je nach Feedback fragt es, wie du das Verhalten bestärkst, wie du die Person unterstützt oder worum du deine Führungskraft bittest. Fragen für jede Art von Feedback
Herkunft und Reflactos Anpassung
Das Center for Creative Leadership entwickelte SBI und hält die Marke Situation-Behavior-Impact (SBI)™. Ein genaues Entstehungsjahr nennt CCL nicht.
Auch bekannt als: Situation-Verhalten-Wirkung, SBI-Feedbackmodell
Was Reflacto verändert hat
- Aus dem Originalmodell
- Situation, Verhalten und Wirkung, mit je einer Frage pro Teil. Die Formulierung passt zur Art deines Feedbacks.
- Reflacto-Ergänzung
- Ein oder zwei Folgefragen, etwa wie du die Person unterstützt, und am Ende ein Plan für das Gespräch.
Alle Fragen ansehen, die Reflacto stellt
Primärquellen und weiterführende Hinweise
- Center for Creative Leadership: die SBI-MethodeenDie Urheberorganisation erklärt Situation, Behavior und Impact sowie die Erweiterung SBII.
- Center for Creative Leadership: SBI im EntwicklungsgesprächenDie Urheberorganisation zeigt, wie das SBI-Modell vier Arten von Entwicklungsgesprächen trägt.
- Kienbaum: Glossareintrag zu FeedbackmethodenEine deutsche Personalberatung beschreibt die Schritte Situation, Verhalten und Wirkung auf Deutsch.
Redaktionell geprüft von Daniel Schmeiß
Letzte inhaltliche Prüfung: 29. September 2026
Verwandte Reflexionsmethoden
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