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Das hätte ich dir früher sagen sollen

Warum ich Feedback direkt nach einer Präsentation suche und gebe – über konkrete Beobachtungen, die Wirkung auf mich und die Überwindung vor dem Gespräch.

Von Daniel Schmeiß
4 Min. Lesezeit

Feedback wird unbrauchbar, wenn es zu lange liegen bleibt. Wer zwei Wochen nach einer Präsentation hört „Das war damals an einigen Stellen schwer nachzuvollziehen“, kann damit wenig anfangen.

Ging es um die Ausgangslage? Oder war der Vorschlag am Ende nicht verständlich? Oft weiß mein Gegenüber das selbst nicht mehr. Der Eindruck ist noch da, das Beispiel fehlt. Direkt nach der Präsentation hätten wir gemeinsam auf die betreffende Folie schauen können.

In den ersten beiden Beiträgen ging es um Nachrichten, die bei mir ankommen: erst aufschreiben, was tatsächlich dasteht, dann fragen, worüber wir gerade sprechen. Diesmal geht es um die andere Richtung: Was sage ich selbst, wenn mir etwas auffällt?

Drei Dinge helfen mir dabei: früh fragen, konkret bleiben, die Wirkung benennen.

Früh fragen

Nach eigenen Vorstellungen oder Präsentationen rufe ich zwei oder drei Kollegen an. Möglichst direkt danach. Wo ich selbst unsicher war, frage ich gezielt:

„Bei der Erklärung meines Vorschlags war ich mir nicht sicher, ob der Zusammenhang deutlich geworden ist. Wie war das für dich?“

Mich interessiert auch, was geholfen hat. Wenn ein Beispiel etwas verständlicher gemacht hat, greife ich beim nächsten Mal wieder darauf zurück.

Umgekehrt genauso: Fällt mir bei einem Kollegen etwas auf, rufe ich direkt danach an. Dafür brauche ich keinen regelmäßigen Gesprächstermin.

Konkret bleiben

„Du bist immer so unstrukturiert“ ist auch direkt nach einer Präsentation ein Urteil über die Person. Im ersten Beitrag habe ich diese Trennung für mich selbst gezogen: Was ist Tatsache, was ist Vermutung? „Unstrukturiert“ ist meine Bewertung, keine Beobachtung. Beim Feedback gilt dieselbe Trennung, nur spreche ich das Ergebnis diesmal aus.

Angenommen, ein Kollege stellt seinen Lösungsvorschlag vor, bevor er die Ausgangslage erklärt hat. Das spreche ich so an:

„In deiner Präsentation vorhin bist du von der Titelfolie direkt zum Lösungsvorschlag gegangen. Die Ausgangslage kam erst danach. Mir hat an der Stelle der Zusammenhang gefehlt. Ich konnte noch nicht nachvollziehen, welches Problem dein Vorschlag lösen soll.“

Vielleicht hielt er die Ausgangslage für bekannt oder hatte sie in einem anderen Termin erklärt. Darüber können wir uns verständigen und besprechen, was er beim nächsten Mal anders macht.

Die Wirkung benennen

Die Reihenfolge der Folien kann mein Gegenüber hinterher selbst nachsehen. Dass ich dadurch den Zusammenhang verloren habe, erfährt er nur von mir. Also sage ich, was bei mir passiert ist: dass mir Informationen gefehlt haben, dass ich unsicher geworden bin.

Eine gefaltete Papierform vor einem Spiegel. Im Spiegel werden ihre farbige Innenseite und verborgene Falten sichtbar – eine Metapher für den zusätzlichen Blickwinkel durch Feedback.

Damit offenbare ich mich auch ein Stück. Im Vier-Ohren-Modell ist das die Selbstkundgabe: die Seite, auf der etwas über mich sichtbar wird. Genau die fehlt, wenn ich nur das Verhalten beschreibe. Und ich spreche nur für mich. Ob alle anderen im Raum dieselbe Schwierigkeit hatten, weiß ich nicht.

Das gilt ebenso, wenn ich etwas hilfreich fand. Bei „Gute Präsentation“ bleibt offen, was mir gefallen hat. Konkreter wäre:

„Du hast die beiden Möglichkeiten am selben Beispiel gezeigt. Dadurch konnte ich die Unterschiede gut nachvollziehen und mir eine Meinung zu deinem Vorschlag bilden.“

Drei Fragen zur Vorbereitung

Das SBI-Modell des Center for Creative Leadership nennt drei Bestandteile: Situation, Behavior, Impact. Vor einem Gespräch frage ich mich:

  • Auf welchen konkreten Moment beziehe ich mich?
  • Was hat mein Gegenüber getan oder gesagt?
  • Was hat das bei mir ausgelöst?

Im Beispiel: die Präsentation vorhin, die Reihenfolge von Lösungsvorschlag und Ausgangslage, meine Schwierigkeit, den Vorschlag einzuordnen.

Das ist derselbe Dreisatz wie im ersten Beitrag, nur nach außen gerichtet: Situation und Verhalten sind die Tatsachen, Impact ist das, was es bei mir auslöst. Die Vermutungen bleiben draußen.

So merke ich vorher, ob ich konkret genug benennen kann, was ich ansprechen möchte. Im Gespräch muss daraus kein auswendig gelernter Dreisatz werden. Mich interessiert dann auch die Sicht meines Gegenübers, deshalb frage ich meistens: „Wie war das von dir gedacht?“ Das ist die Feedback-Variante von „Worüber sprechen wir gerade?“

Eine gute Formulierung schließt Irritation trotzdem nicht aus. Auch sorgfältiges Feedback hat eine Beziehungsseite, und wie es ankommt, entscheidet nicht allein mein Satz.

Das Gespräch auch führen

Ich habe kritisches Feedback schon aufgeschoben, obwohl ich es ansprechen wollte. Hinterher habe ich mich über die verpasste Gelegenheit geärgert. Die passenden Worte vorzubereiten hilft mir. Anzufangen kostet trotzdem manchmal Überwindung.

Im ersten Ärger reagieren möchte ich nicht. Jemanden vor anderen mit Kritik überraschen auch nicht. Im ersten Beitrag ging es darum, vor einer schnellen Antwort etwas Abstand zu gewinnen. Bei Feedback geht das genauso: kurz aufschreiben, was ich sagen möchte, dann einen Moment unter vier Augen suchen.

Aus dem Sortieren darf nur kein weiteres Aufschieben werden. Auch ein späteres Gespräch hilft noch. Wenn ich lange gewartet habe, sage ich das dazu: dass ich es früher hätte ansprechen sollen und es trotzdem noch besprechen möchte.

Für den Anfang reicht eine Frage: „Hast du heute noch kurz Zeit? Ich möchte gern etwas aus unserem Termin besprechen.“