Du musst nicht die Teamleitung sein, um etwas zu ändern. Wenn die Stimmung kippt, merken es alle, und oft wartet jeder darauf, dass jemand anderes etwas sagt. Du kannst den Anfang machen: eine Beobachtung in der Teamrunde aussprechen, bei einer liegengebliebenen Aufgabe fragen, wer sie verantwortet, oder zwei Kolleg:innen ein Gespräch anbieten. Fang mit einem kleinen Schritt an, den alle sehen können.
Finde heraus, woran es hängt. Bleibt Arbeit liegen, weil niemand weiß, wer entscheidet, hilft eine klare Zuständigkeit. Schweigen alle im Meeting und reden hinterher, fehlt Vertrauen. Streiten zwei Menschen, hilft ein Gespräch, das jemand begleitet. Kollidiert ihr mit einem anderen Team, fragt ihr nach dem, was hinter den Forderungen steckt. Schreib zuerst auf, was du in den letzten Wochen konkret erlebt hast.
Gib dem Gespräch eine klare Frage. Eine offene Runde zu „Wie geht es uns als Team?“ endet leicht im Schweigen. Konkrete Fragen lassen sich beantworten: Wer gibt das Angebot frei? Was soll so bleiben, und was soll sich in den nächsten vier Wochen ändern? Sollen sich zwei Personen gegenseitig Feedback geben, nennt jede einen konkreten Wunsch für die kommenden Wochen. Die andere hört zu und fragt nur nach.
So kannst du es sagen
Im Meeting sagt keiner was, danach alle
„Mir fällt auf, dass in den letzten drei Teamrunden niemand dem Plan widersprochen hat und wir danach in der Küche darüber geredet haben. Ich fang mal an: Ich habe Bedenken beim Termin für das Release. Wollen wir uns zehn Minuten nehmen, in denen jede:r sagt, was ihr oder ihm Sorgen macht?“
Arbeit wird doppelt gemacht
„Lena und ich haben diese Woche beide am Kundenangebot gearbeitet, ohne voneinander zu wissen. Können wir kurz festhalten, wer das Angebot verantwortet, wer mitliest und wer am Ende freigibt?“
Zwei Kolleg:innen gehen sich aus dem Weg
„Seit dem Streit über den Schichtplan gehen eure Absprachen über mich, und ich gebe Dinge weiter, die ihr direkt klären könntet. Ich will nicht entscheiden, wer recht hat. Würdet ihr euch eine halbe Stunde zusammensetzen? Ich kann dabei sein und darauf achten, dass jede Seite ausreden kann.“
Das Nachbarteam braucht dieselbe Ressource
„Ihr braucht die Testumgebung bis Monatsende, wir brauchen sie für den Lasttest. Bevor wir das nach oben geben: Was genau müsst ihr bis wann testen? Vielleicht passen beide Pläne, wenn wir die Zeiten aufteilen.“
Häufige Fragen
Was kann ich gegen schlechte Stimmung im Team tun, wenn ich nicht die Leitung habe?
Du kannst deinen Teil ändern: aussprechen, was du beobachtest, in der nächsten Runde eine konkrete Frage stellen und selbst offen widersprechen, wenn du anderer Meinung bist. Liegt das Problem in der Struktur, etwa bei unklaren Zuständigkeiten, bring deine Beispiele zur Führungskraft und schlag einen ersten Schritt vor.
Zwei Kollegen streiten sich. Soll ich mich einmischen?
Frag dich zuerst, ob der Streit die Arbeit oder andere im Team trifft. Wenn ja, darfst du es ansprechen. Biete beiden ein Gespräch an, in dem jede Seite ausreden kann, und halte dein eigenes Urteil zurück. Will eine Seite nicht, oder geht es um Beleidigungen oder Druck, gehört das zur Führungskraft, zu HR oder zum Betriebsrat.
Wie gehe ich mit Lästereien im Team um?
Mach nicht mit, und sag das ruhig in dem Moment: „Ich red lieber direkt mit ihr darüber.“ Stört etwas wirklich, schlag vor, es in der Teamrunde anzusprechen, wo die betroffene Person mitreden kann. Trifft das Lästern immer wieder dieselbe Person, kann daraus Mobbing werden. Dann hol dir Unterstützung.
Wir kommen mit einem anderen Team nicht zusammen. Was tun?
Schreibt auf, was ihr fordert und wofür ihr es braucht, und fragt das andere Team dasselbe. Hinter „Wir brauchen die Ressource bis Freitag“ steht oft ein Termin, den man auch anders absichern kann.
Häufige Fehler
Sich auf eine Seite stellen
Wer sich im Streit zweier Kolleg:innen früh festlegt, macht aus zwei Beteiligten zwei Lager. Hör beiden zu, bevor du dir ein Urteil bildest.
Nur in der Küche darüber reden
Wird das Problem nur unter vier Augen besprochen, erfahren die Betroffenen nichts davon. Bring es in eine Runde, in der sie mitreden können.
Mit einem Teamevent anfangen
Ein gemeinsames Abendessen klärt keine offene Zuständigkeit. Kläre zuerst die Frage, an der die Arbeit hängt.
Sofort nach oben eskalieren
Gebt ihr den Streit mit dem Nachbarteam gleich weiter, entscheidet jemand, der die Details nicht kennt. Sprecht vorher einmal direkt darüber, was jedes Team braucht und bis wann.
Methoden für Spannungen im Team
- 5 Dysfunktionen: Vertrauen und offene Diskussion stärkenWenn sich Leute zurückziehen, im Meeting schweigen und hinterher reden oder Zusagen nicht halten.
- Delegation: Klären, wer was entscheidetWenn Arbeit liegen bleibt oder doppelt gemacht wird, weil Ergebnis, Befugnisse und Grenzen offen sind.
- Mediation: Zwei Menschen wieder ins Gespräch bringenWenn zwei Kolleg:innen im Konflikt sind und du ein Gespräch begleiten willst, ohne Partei zu ergreifen.
- Feedforward: Gegenseitiges Feedback begleitenWenn sich zwei Personen offen sagen sollen, was sie sich in Zukunft voneinander wünschen.
- Interessenbasiertes Verhandeln: Mit einem anderen Team einig werdenWenn Prioritäten, Ressourcen oder Zuständigkeiten zwischen zwei Teams kollidieren.
Steht ein bestimmter Anlass an?
Deinen Platz und den deines Teams in einer neuen Struktur finden.
Gemeinsam entscheiden, wofür das nächste Jahr Platz hat.

„Wer muss davon wissen, und wer kann daran etwas ändern?“
Das frage ich, wenn mir jemand von schlechter Stimmung im Team erzählt. An der Antwort sehe ich meistens, ob es um eine Zuständigkeit geht, um zwei Menschen oder um das ganze Team, und mit wem das erste Gespräch Sinn ergibt.

