Interessenbasierte Verhandlung
Interessenbasiertes Verhandeln löst den Blick von festen Forderungen. So werden Optionen sichtbar, die beiden Seiten helfen.
- Positionen von Interessen trennen
- Optionen für beide Seiten entwickeln
- An gemeinsamen Kriterien entscheiden
Interessenbasiert verhandeln in 4 Schritten
Hinter Forderungen stehen Interessen. Die Methode macht sie sichtbar und sucht Lösungen, die beiden Seiten helfen. Danach prüfst du die Optionen an gemeinsamen Kriterien.
Person und Problem trennen
Benenne den Sachkonflikt, ohne Personen oder Teams zum Problem zu machen.
Interessen klären
Frage nach den Zielen, Bedürfnissen und Grenzen hinter jeder Forderung.
Optionen entwickeln
Sammle Lösungen, die wichtige Interessen beider Seiten berücksichtigen.
Kriterien vereinbaren
Prüfe die Optionen an gemeinsamen Daten, Standards oder Bedingungen.
Beispiel: Releasetermin verhandeln
Produkt- und Plattformteam suchen einen gemeinsamen Weg:
Problem trennen
Statt sich gegenseitig als Blockierer zu sehen, benennen die Teams den Zielkonflikt: Ein zugesagter Launchtermin trifft auf ein ungeklärtes Ausfallrisiko.
Interessen klären
Das Produktteam will die Kundenzusage halten. Das Plattformteam will instabilen Betrieb und zusätzliche Bereitschaft vermeiden.
Optionen entwickeln
Beide erwägen einen gestaffelten Rollout mit Feature-Flag, enger Überwachung und kleiner Nutzergruppe.
Kriterien vereinbaren
Vor der Ausweitung gelten Grenzwerte für Fehlerrate und Antwortzeit sowie eine klare Rollback-Bedingung.
Beide Seiten schützen ihre Kerninteressen. Messwerte zeigen, ob die Lösung trägt.
Wann diese Methode hilft
Nutze die Methode, wenn Teams unterschiedliche Prioritäten haben und die Lösung gemeinsam umsetzen müssen.
Grenzen und Warnsignale
Nicht jeder Konflikt bietet eine Lösung zum beiderseitigen Vorteil. Schütze feste Grenzen, prüfe objektive Kriterien und kenne deine Alternative ohne Einigung.
Wo Reflacto diese Methode einsetzt
Wähle die Situation, die du reflektieren möchtest:
Wichtigste Vorteile
- Lenkt den Blick von Forderungen auf Interessen
- Schafft umsetzbare Optionen für beide Seiten
- Macht Entscheidungen durch gemeinsame Kriterien prüfbar
Diese Fragen stellt Reflacto
Reflacto übersetzt die Methode in diese konkreten Reflexionsfragen:
- 1Welche Teams sind in diesen Konflikt involviert?
- 2Was sind die Hauptprioritäten und Einschränkungen für jedes Team?
- 3Wo stimmen ihre Ziele überein oder stehen sie im Konflikt?
- 4Wie kannst du das als ein gemeinsames Problem formulieren, das gelöst werden muss?
- 5Welcher Kompromiss oder gegenseitiger Nutzen ist möglich?
Häufige Fragen zum interessenbasierten Verhandeln
Was ist eine BATNA und warum ist sie wichtig?
- Die BATNA ist deine beste Alternative ohne Einigung. Sie zeigt, wann Ablehnen sinnvoller ist als Zustimmen. Kläre sie vor der Verhandlung.
Was ist der Unterschied zu einem Kompromiss?
- Ein Kompromiss teilt eine feste Menge. Interessenbasiertes Verhandeln sucht nach unterschiedlich wichtigen Bedürfnissen. So kann ein Tausch beiden Seiten mehr bringen als eine Halbierung.
Was mache ich, wenn die Gegenseite hart auf ihrer Position bleibt?
- Frage nach dem Grund für die Forderung. Schlage dann gemeinsame Kriterien wie Daten oder Standards vor. Das lenkt das Gespräch von Macht auf nachvollziehbare Gründe.
Funktioniert das auch bei ungleicher Verhandlungsmacht?
- Nur teilweise. Die Methode schafft keine Verhandlungsmacht. Sie klärt aber, was du brauchst, was verhandelbar ist und wo Nachgeben besonders schadet.
Herkunft und Reflactos Anpassung
Roger Fisher und William Ury stellten das sachbezogene Verhandeln 1981 in Getting to Yes (deutsch: Das Harvard-Konzept) vor. Bruce Patton, ursprünglich als Redakteur genannt, ist in aktuellen Auflagen Mitautor. Alle drei gehörten zum Harvard Negotiation Project.
Auch bekannt als: sachbezogenes Verhandeln, Harvard-Konzept
Was Reflacto verändert hat
Getting to Yes behandelt Verhandlungen allgemein. Reflacto wendet die vier Elemente auf Konflikte zwischen Teams derselben Organisation an. Die Fragen behandeln die Prioritäten beider Teams, gemeinsame oder widersprüchliche Ziele und einen Kompromiss, der beiden nützt.
Primärquellen und weiterführende Hinweise
- Harvard Program on Negotiation: sachbezogenes VerhandelnenEin Überblick aus Getting to Yes: Interessen, Optionen zum beiderseitigen Vorteil und objektive Kriterien.
- Harvard Program on Negotiation: sechs Leitlinien zu Getting to YesenSechs integrative Verhandlungsfertigkeiten aus Getting to Yes, veröffentlicht vom Harvard Negotiation Project.
- Gabler Wirtschaftslexikon: Harvard-KonzeptEin deutsches Wirtschaftslexikon definiert die vier Verhandlungsprinzipien des Harvard-Konzepts.
Redaktionell geprüft von Daniel Schmeiß
Letzte inhaltliche Prüfung: 30. August 2026
Verwandte Reflexionsmethoden
Vergleiche eine weitere Methode, die eine ähnliche Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

